Warum genau diese Wattzahl? Wie träjn deine Vorgaben rechnet
Auf deinem Plan steht eine Radeinheit, und daneben eine Vorgabe: 228–264 W. Woher kommt genau diese Zahl? Der Beitrag Woher die Zahlen kommen beantwortet die Frage für die ganze App; dieser hier nimmt sich die eine Zahl vor, an der am Rad alles hängt — und schreibt die Rechnung aus, statt nur das Modell zu nennen.
Eine Zahl trägt alles: deine FTP
träjn misst keine Leistungsdiagnostik. Jede Wattvorgabe — im Training wie im Wettkampf — wird aus einer Zahl abgeleitet: deiner FTP, der Leistung, die du etwa eine Stunde lang halten kannst. Du trägst sie in deinem Profil ein; der Berater kann dir aus deinen gefahrenen Watt eine Anpassung vorschlagen, überschreibt aber nichts ungefragt.
Fehlt die FTP, gibt es keine Wattvorgaben — und die App tut nicht so, als gäbe es welche. Im Profil steht dann als Lücke: keine Radzonen, keine Zeitprognose. Die Wettkampfprognose fällt auf Erfahrungswerte zurück und sagt es dazu: „Grobschätzung. Trage FTP und Gewicht ein, dann wird gerechnet statt geraten.“
Trainingseinheiten: Zonen nach Coggan
Für das Training benutzt träjn das Zonenmodell von Andy Coggan — dieselbe Einteilung, die ein Trainer benutzen würde —, verdichtet auf fünf Zonen. Jede Zone ist ein fester Prozentbereich deiner FTP:
- Z1 Regeneration: 45–55 %
- Z2 Grundlage: 56–75 %
- Z3 Tempo: 76–90 %
- Z4 Schwelle: 91–105 %
- Z5 VO₂max: ab 106 %
Mehr ist es nicht. Bei einer FTP von 250 W ist die Schwellenzone 228–264 W — die Vorgabe vom Anfang. Jeder Abschnitt einer Einheit trägt eine dieser Stufen, und erst bei der Anzeige wird daraus deine persönliche Wattspanne.
Dass es Prozente sind und keine festen Grenzen, ist der Punkt: Trägst du nach einem Test eine neue FTP ein, wandern alle Vorgaben mit — jede Einheit, jede Zone, sofort. Deshalb gibt es auch kein Feld, mit dem sich eine einzelne Zonengrenze von Hand überschreiben ließe. Und die Vorgabe, die auf deine Uhr geht, kommt aus derselben Rechnung wie die in der App — die beiden können gar nicht voneinander abweichen.
Wettkämpfe: wie lange du fährst, bestimmt die Watt
Für einen Wettkampf reicht die Zonentabelle nicht. Niemand fährt ein achtstündiges Rennen an der Schwelle — die haltbare Leistung sinkt mit der Dauer. träjn rechnet dafür mit einem Intensitätsfaktor, also dem Anteil deiner FTP, der über eine Distanz durchhaltbar ist:
- 20 Minuten: 105 % der FTP
- 1 Stunde: 95 %
- 3 Stunden: 80 %
- 8 Stunden: 65 %
- 12 Stunden: 58 %
Zwischen den Stützstellen wird geradlinig vermittelt. Nur: Wie lange du unterwegs bist, hängt von der Leistung ab — und die haltbare Leistung von der Dauer. Ein Kreis. träjn löst ihn, indem es beides zusammen rechnet: Es schätzt eine Dauer, liest die haltbare Intensität ab, rechnet über ein physikalisches Modell die Geschwindigkeit aus und bekommt daraus eine neue Dauer — so lange, bis sich nichts mehr ändert.
Das physikalische Modell ist ehrliche Mechanik: Luftwiderstand, Rollwiderstand und die Steigarbeit aus den Höhenmetern, dazu 97,5 % Wirkungsgrad des Antriebs. Gerechnet wird mit deinem Gewicht plus 9 kg für ein Rennrad oder 11 kg für ein Gravelbike — auf Schotter mit mehr Stirnfläche und mehr Rollwiderstand. Heraus kommt die Vorgabe, die du bei deinen Wettkämpfen siehst, zum Beispiel: 232 W (IF 0,80) — fahr 232 Watt, das sind 80 % deiner Schwelle, und das trägt über diese Distanz.
Was die Rechnung nicht weiß
Ob deine FTP noch stimmt. Die ganze Kette hängt an dieser einen Zahl. Ist sie sechs Monate alt, sind alle Zonen verschoben — nach oben wie nach unten. Der Berater meldet sich, wenn deine gefahrenen Watt dauerhaft von ihr abweichen; den Test ersetzt er nicht.
Wind, Hitze, Windschatten, Tagesform. Das Modell rechnet Windstille und konstante Fahrt. Am Renntag ist die Vorgabe deshalb ein Startwert und eine Leitplanke, kein Urteil — wenn sich 232 W nach der Hälfte falsch anfühlen, hat dein Körper recht und nicht die Tabelle.
Woher die Modelle stammen, wie gut sie belegt sind und an welchen Stellen träjn ihnen selbst nicht ganz traut, steht gesammelt in Woher die Zahlen kommen.
Zum Weiterlesen
- Dein Profil – wo FTP und Zonen stehen und was geschätzt wird
- Ziele und Wettkämpfe – wo die Wettkampfvorgabe erscheint
- Woher die Zahlen kommen – die Herkunft aller Formeln der App
- Die ganze Bedienungsanleitung: So funktioniert träjn
